Markaris, Petros: Abrechnung. Ein Fall für Kostas Charitos, Diogenes 2013, 320 S., 22,90 €.

Psomí, Paideía, Elefthería” - „Brot, Bildung, Freiheit“ heißt der 2013 erschienene Krimi von dem griechischen Autor Petros Markaris im Original. Er verweist auf die Niederschlagung der Studentenunruhen des griechischen Polytechnikums 1973, welche den Niedergang der Junta-Herrschaft einleitete.

Der Roman beginnt mit der Silvesternacht 2013. Während der Kommissar Kostas Charitos mit seiner Familie den Jahreswechsel zelebriert, feiert der Großteil der Athener auf den Straßen die Wiedereinführung der Drachme.

Griechenland versinkt darauf (noch mehr) in Chaos, es werden Neuwahlen abgehalten und der Kommissar muss auf Gehaltszahlungen verzichten. Selbst die Polizisten können nicht mehr regelmäßig zur Arbeit erscheinen, viele Beamte müssen sich mit einem Zweitjob über Wasser halten, um wenigstens ansatzweise ihre Familien ernähren zu können; junge Akademiker kümmern sich ehrenamtlich um Obdachlose, um die schmerzliche Arbeitslosigkeit irgendwie zu überbrücken ...

In dieser unübersichtlichen Gemengelage von dissidentischem Protest und staatspolitischem Zerfall werden drei hohe ehemalige Aktivisten der Studentenunruhen kaltblütig erschossen: ein Bauunternehmer, ein Professor für Strafrecht und ein Gewerkschaftsführer. Kostas Charitos macht sich auf die Suche. Was für ein Mordmotiv kann der oder die Mörder haben die griechischen Helden von damals auszulöschen? Was vereint alle drei Biographien?

Markaris führt uns in das heutige Griechenland, in dem Korruption, Armut und Arbeitslosigkeit herrschen: Ein Griechenland, dessen Identität sich aus alten Mythen und Geschichtsbildern speist und die Realität buchstäblich hinter einem Theatervorhang verschwindet. Markaris öffnet diesen Vorhang, verbindet griechische Geschichte mit der Gegenwart und schafft so einen gesellschaftskritischen Krimi, den es sich zu lesen lohnt.